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Sagen / Die Entstehung des Lousbergs


Die Entstehung des Lousbergs -Teufel und Marktfrau

Der Teufel sann auf Rache. Die Kränkung, die er durch die Aachener erlitten hatte, indem sie ihm eine Wolfs- für eine Menschenseele verkauften, war zu groß, um ungestraft zu bleiben.
Der Teufel befürchtete zu Recht, daß es sprichwörtlich werden könne, daß die Aachener dem Teufel selbst zu klug seien. Endlich, nachdem er Tag und Nacht darüber nachgedacht hatte, ersann er einen Plan, wie er die listigen Aachener mitsamt dem von ihm finanzierten Münster mit einem Schlag vernichten könne.
Er machte sich auf den Weg zur Nordsee, packte zwei riesige Säcke feinsten Nordseesand auf seine Schultern und schleppte sich langsam zurück nach Aachen. Der Teufel hatte nämlich beschlossen, die Stadt und die Bewohner einfach zuzuschütten.

Von Rachegelüsten getrieben keuchte er voran und war auch schon fast am Ponttor angekommen. Doch ein scharfer Wind hatte sich erhoben und blies ihm den Sand des Berges, den er trug, ins Gesicht, so daß er die Stadt noch nicht sehen konnte. Schwitzend und müde beschloß er, eine Pause einzulegen, als ihm eine alte, sehr ärmlich aussehende Frau entgegen kam.
Er sprach sie an: „Liebe Marktfrau, wie weit ist es denn wohl noch bis Aachen?" Die arme Frau aber fand den Mann mit seinen gigantisch großen Säcken sehr befremdlich und bemerkte auch zum Glück bald den Pferdefuß des Wanderers. Sie erkannte den Teufel und konnte sich nun an einer Hand ausrechnen, daß dieser nichts Gutes im Schilde führte. Sie zeigte auf ihre Schuhe und den Korb, den sie im Arm hängen hatte und sagte: „Mein guter Herr, wollt ihr einen Blick auf meine Schuhe werfen? Heule in der Früh kaufte ich sie neu in Aachen auf dem Markt und seht nur, wie durchgetreten sie jetzt schon sind. Und mein Mittagsbrot ist ganz vertrocknet. So lange bin ich von Aachen schon unterwegs." Der Teufel sah auf die durchlöcherten Schuhsohlen der Marktfrau und erkannte, daß er eine solch weite Strecke nicht mehr mit den schweren Säcken würde zurücklegen können.
Er stieß einen fürchterlichen Fluch aus und stob wütend davon. Die Säcke aber ließ er liegen. Der größere der beiden ist der Lousberg geworden, der kleinere ist heute der Salvatorberg. Sie bestehen, wie sich jeder überzeugen kann, aus reinem Meeressand und sind durchsetzt mit Muschel- und Seetangteilchen. Auch versteinerte Meerestiere kann man mit ein wenig Glück dort finden.

Durch die List der alten Frau wurde Aachen vor einem großen Unglück bewahrt. Was der Teufel schon befürchtet hatte, wurde nun Wahrheit, denn in Aachen entstand das Sprichwort: „De Oecher send der Düvel ze lous."" So kam auch der größere Berg zu seinem Namen.

Der armen Frau, die Aachen gerettet hat, wurde 1985 von der Künstlerin Krista Löneke-Kemmerling mit der Bronzeplastik „Teufel und Marktfrau" ein Denkmal gesetzt. Die Bronzearbeit befindet sich am Fuße des Lousbergs in der Kupferstraße.