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Sagen / Der Wehrhafte Schmied



Der wehrhafte Schmied - Im Krieg gegen Graf Wilhelm von Jülich

Ende des 13. Jahrhunderts hatte es sich Graf Wilhelm von Jülich in den Kopf gesetzt, die freie Reichsstadt Aachen einzunehmen und seinem Besitztum anzugliedern.
Als nun der Schutzherr der Kaiserstadt fernab Krieg führte, hielt der habsüchtige Graf seine Zeit für gekommen. In der Gertrudisnacht 127824 schlich sich die bewaffnete Gefolgschaft des Jülicher Grafen zum Kölntor" in die Stadt Aachen ein. Die Wachen wurden niedergeschlagen, und bei Nacht und Nebel erreichte die fünfhundert Mann starke Truppe die Innenstadt.
Aachens Bürger hatten bis dahin tief und fest geschlafen, jedoch, wie das sehr oft so ist, vergaß der Graf in seinem Eifer, die Befehle an seine Soldaten mit gemäßigter Stimme auszuteilen. Ein Stadtbewohner nach dem anderen erwachte durch die Unruhe auf den Straßen.
Der Angriff der Jülicher traf Aachen völlig unvorbereitet, und die Truppen des fremden Grafen waren gut ausgerüstet und hatten genaue Anweisungen erhalten. Die Lage sah nicht gut aus für die Kaiserstadt. Schließlich wußten die Bürger der Stadt keinen anderen Ausweg mehr als die Flucht auf ihre Hausdächer. Von dort oben schmissen sie alles auf die Angreifer hinab, was ihnen in die Hände kam: Dachziegel, Steine, Holzbalken und Mörtel flogen in die unten liegenden Gassen und Straßen.
In einer schmalen Gasse, in der der Graf von Jülich Seite an Seite mit seinen beiden Söhnen kämpfte, errichteten die Aachener in ihrem verbissenen Kampf gegen die Eindringlinge mit der Zeit eine Barrikade aus den vielen Baumaterialien, die sie auf die Straße warfen. Die Jülicher bemerkten nicht, daß sich um sie herum eine hohe Mauer aus Schutt bildete, die ihnen den Rückzug abschnitt.
Als sie ihre prekäre Lage schließlich erkannten, blieb ihnen keine Alternative mehr: Sie mußten wohl oder übel ihre Mannen zum Rückzug blasen. Am Jakobstor aber, durch das der Graf mit seinen Söhnen verschwinden wollte, wohnte der Schmied der Stadt. Dieser hatte den Anführer der Angreifer schon erwartet, und ohne auch nur einen Ton von sich zu geben, erschlug er die drei Jülicher mit seinem Eisenhammer. Seitdem haben die Aachener vor den Jülichern Ruhe gehabt.

Der vielen Erschlagenen dieser Gertrudisnacht hat man in der Annakapelle noch lange gedacht und oft Kerzen für sie angezündet. Dem wehrhaften Schmied wurde im Jahr 1909 von Karl Burger ein Denkmal gesetzt, das man in der Jakobstraße bewundern kann.