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Sagen / Kaiser Karl entdeckt die heissen Quellen



Kaiser Karl entdeckt die heissen Quellen - Wie Aachen entstand

Zur Zeit Karls des Großen war Aachens Umgebung eine wunderschöne Landschaft aus Wäldern, Hügeln, sauberen Bächen, kleinen Tälern und Wiesen. Dazwischen zogen sich schmale Schotter- oder Sandpfade. Kaiser Karl liebte die Jagd in den Wäldern sehr.
Hier gab es Rotwild, Wildschweine, wild lebende Ochsen, Hasen und sogar Bären. Oft ritt der Kaiser mit seinen Jägern und Treibern aus, und niemals kam er ohne ein Stück Wild für den heimischen Kochtopf nach Hause.
An einem schönen Sommertag war der Kaiser wieder einmal mit seiner Gefolgschaft unterwegs, diesmal auf der Hirschjagd. Karl sah den wunderbaren Hirsch als erster am Waldrand stehen und wollte nun beweisen, daß er nicht nur ein guter Herrscher, sondern auch ein sehr guter Reiter und Jäger war.
Er sprengte also dem Hirsch hinterher in den Wald hinein. Doch das große Tier muß eine bessere Ortskenntnis gehabt haben als sein Gebieter, jedenfalls sah Karl irgendwann ein, daß er den Hirsch doch nicht so ohne weiteres alleine aufspüren und erlegen könne.
Er blickte sich nach seinen Jägern und Treibern um, mußte jedoch feststellen, daß er allein auf weiter Flur war. Sein Gefolge hatte er schon lange abgehängt. Kaiser Karl gestand sich im stillen ein, daß er sich wohl verirrt habe, und er ritt mit seinem Pferd durch die Wälder des Gebietes, das einmal die Stadt Aachen werden sollte.
Aber das wußte Karl zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auf seiner Suche nach dem rechten Weg durch tiefes Unterholz kam der Herrscher plötzlich zu einer kleinen Lichtung, auf der er zu seiner großen Überraschung die Reste einer alten Hütte stehen sah.
Es handelte sich um die zerfallene Einsiedelei des Grafen Gotthold. Die kleine Ruine interessierte Karl natürlich sehr, und er wollte schon näher reiten, da knickten die Vorderbeine seines Pferdes ein.
Der große Kaiser wäre fast blamabel gestürzt. Er fing sich aber, sprang behende ab und half dann seinem Pferd aus der mißlichen Lage. Anschließend erkundete er, auf der Suche nach der Ursache für das Mißgeschick, den Boden, auf dem sie geritten waren.
Er staunte nicht schlecht, als er aus dem morastigen Schlick plötzlich Dampf und Wasser aufsteigen sah. Aus einem Loch im Boden schoß ihm ein heißer, leicht schwefelig riechender Wasserstrahl entgegen. Kaiser Karl erkannte, daß er hier, dank der mißglückten Hirschjagd, einen großen Fund gemacht hatte. Auf seinen vielen Reisen hatte er schon vormals die Bekanntschaft heißer Quellen gemacht und deren wohltuende Wirkung genossen.
Karl der Große war ein sehr gottesfürchtiger Mann, und bevor er weitere Pläne schmiedete, dankte er Gott für die wundervolle Entdeckung.
Nach dem Gebet besann sich der Kaiser auch wieder auf sein Jagdhorn „Deyn Eyn" ', das er in der Aufregung über die Verfolgung des Hirschen ganz vergessen hatte. So laut er konnte, blies er nun, und schon bald hatte seine Gefolgschaft ihn gefunden. Die Wartezeit an der heißen Quelle hatte ausgereicht, um einen kaiserlichen Plan zu ersinnen, und als Karls Jäger und Treiber bei ihm eintrafen, legte dieser ihnen dar, was er mit der lieblichen Lichtung, malerisch inmitten von Hügeln gelegen, anfangen wollte. Zunächst sollte hier, an der Stelle der alten Klausnerei, ein Jagdschloß aufgebaut werden. Aber auf lange Sicht wollte Karl der Große einen Palast und eine Kirche zu Ehren der Gottesmutter erbauen - eine Stadt sollte entstehen.

Wenn man sich Aachen Heute anschaut, eine alte Stadt mit jungem Charme, dann kann man immer noch sehr gut nachempfinden, was Kaiser Karl schon im Mittelalter dazu bewogen hat, diese Pfalz zu seinem liebsten Aufenthaltsort zu machen. Und die heißen Quellen, die schon den vom Rheuma geplagten kaiserlichen Gliedern Erleichterung verschafften, helfen noch heute vielen Menschen, das eine oder andere Leiden zu lindern.